Demokratie beginnt im Zuhören – Fünftklässler erleben Denkshop mit fuxundkauz
Bardowick. Wie spricht man gut miteinander? Wie hört man wirklich zu? Und wie gelingt es, dass wir trotz
aller Unterschiede respektvoll miteinander leben?
Genau diesen Fragen widmet sich fuxundkauz, ein Team, das bundesweit Workshops zur
kulturellen und demokratischen Bildung anbietet. Ihre sogenannten Denkshops schaffen Räume, in
denen Kinder lernen, eigene Gedanken zu formulieren, Empathie zu entwickeln und die
Perspektiven anderer besser zu verstehen – eine Art Training für demokratisches Miteinander.
Möglich gemacht wurde der Workshop durch das Junge Literaturbüro der Stadt Lüneburg.
Durchgeführt wurde er von Frau Holzapfel und Frau Segatz, zwei erfahrenen Referentinnen im
Bereich der kulturellen Kinder- und Jugendbildung.
Frau Holzapfel ist Kulturwissenschaftlerin, Redakteurin und Autorin und entwickelt seit vielen
Jahren Formate wie „Gedankenflieger – Philosophieren mit Kindern“.
Frau Segatz ist Literaturwissenschaftlerin und Philosophin, leitet seit 2016 Workshops zum
Philosophieren mit Kindern und engagiert sich besonders für gerechte Bildungschancen.
Warum ist es eigentlich so wichtig, dass wir unterschiedliche Meinungen hören, akzeptieren und
aushalten können? Diese Frage steht im Zentrum der Denkshops von fuxundkauz, die am 10.12. an
unserer Schule durchgeführt wurden. Die Referentinnen Frau Holzapfel und Frau Segatz betonen,
dass demokratisches Miteinander nur gelingen kann, wenn wir lernen, Vielfalt nicht als Problem,
sondern als Bereicherung zu sehen. Jeder Mensch bringt eigene Erfahrungen, Gefühle und
Prägungen mit – und gerade dadurch entsteht ein wertvoller Austausch. In einem geschützten
Rahmen können Kinder erleben, dass andere oft ähnlich fühlen wie sie selbst, obwohl sie
unterschiedlich sind. So wächst Empathie für das, was uns zunächst fremd erscheint.
Diese Erfahrungen decken sich auch mit den Beobachtungen von Frau Zientek, der Klassenlehrerin der 5.3, deren Klasse ebenfalls am Workshop teilgenommen hat. Sie betont, dass Kinder nur dann eine eigene Meinung entwickeln können, wenn sie lernen, anderen wirklich zuzuhören. Eine Meinung zu haben sei leicht – sie begründen zu können erfordere hingegen Nachdenken, Reflexion und den Austausch mit anderen.
Schulen sind für fuxundkauz ein idealer Ort, um diese Form der Bildung zu verankern. Hier kommt
die Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt zusammen – nicht vorsortiert, nicht in Blasen selektiert.
Die Denkshops richten sich bewusst an alle Kinder: Je gemischter eine Gruppe, desto intensiver der
Austausch. Demokratie, so die Referentinnen, ist nichts Abstraktes, sondern etwas, das man täglich
üben kann. Dazu gehört, eine Sprache für sich selbst zu finden, Gefühle auszudrücken, anderen
zuzuhören und achtsam miteinander umzugehen. Auch Frau Zientek sieht hierin eine zentrale
demokratische Fähigkeit, die Kinder möglichst früh einüben sollten.
Im Workshop wurde deutlich, wie wertvoll diese Erfahrungen für die Kinder sind. Methoden wie
Kartenimpulse oder kurze Denkpausen geben Sicherheit und fördern mutige Beiträge. Viele Kinder
müssen erst lernen, Lob und Wertschätzung anzunehmen, denn das fällt nicht nur Erwachsenen oft
schwer. Gleichzeitig erleben sie, dass es nicht egal ist, ob sie sich Mühe geben – ihre Anstrengung
wird gesehen und gewürdigt. Frau Zientek beobachtet im Unterricht immer wieder, dass Kinder, die
aufmerksam zuhören und über ihre eigenen Gedanken nachdenken, oft zu überraschend reifen und
kreativen Ideen gelangen.
fuxundkauz arbeitet seit vielen Jahren mit Klassen in verschiedenen Bundesländern und erlebt
immer wieder, wie nachhaltig solche Gespräche wirken können. Manchmal kommen Kinder Jahre
später auf das Team zu und erzählen, dass ein Workshop ihnen geholfen habe, wichtige
Entscheidungen anders zu treffen. Die Referentinnen verstehen ihre Arbeit nicht als das Legen
fertiger Gleise, sondern als das Stellen kleiner Weichen, die neue Perspektiven öffnen.
Besonders beeindruckend war die respektvolle Haltung der Trainerinnen gegenüber den Kindern.
Jede Aussage wurde individuell aufgegriffen, aufmerksam gehört und wertschätzend beantwortet.
Die Kinder spürten sofort, dass sie ernst genommen werden. Dies ist von großer Bedeutung, weil
Sprache im Alltag oft unbedacht und manchmal verletzend eingesetzt wird. Gerade in Klassen, in
denen unterschiedliche Meinungen zu Konflikten führen können, sieht auch Frau Zientek eine der
größten Herausforderungen darin, sachlich zu diskutieren und andere Positionen zu respektieren –
selbst dann, wenn man sie nicht teilt.
Gerade in der heutigen Zeit zeigt sich, wie bedeutsam eine stabile und widerstandsfähige
Demokratie für unser Zusammenleben ist. Deutschland erlebt – wie viele andere Länder –
tiefgreifende politische und gesellschaftliche Umbrüche: Polarisierung in öffentlichen Debatten, die
wachsende Verbreitung von Desinformation in sozialen Medien, Unsicherheiten durch globale
Krisen sowie ein spürbarer Vertrauensverlust in politische Institutionen. Viele Menschen fühlen sich
überfordert, ziehen sich zurück oder reagieren gereizt auf andere Meinungen. Genau in solchen
Phasen braucht unsere Gesellschaft Menschen, die zuhören können, Verantwortung übernehmen,
sich friedlich austauschen, übereinstimmen oder aber respektvoll widersprechen, ohne einander
abzuwerten.
Demokratie lebt davon, dass wir unterschiedliche Positionen aushalten, Konflikte konstruktiv lösen
und Wege finden, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeiten sind kein Selbstläufer –
sie müssen gelernt, geübt und immer wieder neu gestärkt werden. Wenn Kinder und Jugendliche
früh erfahren, dass ihre Stimme zählt und sie echte Mitbestimmung erleben, entwickeln sie ein
größeres Verständnis für Regeln und eine höhere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – ein
Aspekt, den Frau Zientek für den Schulalltag als besonders wichtig hervorhebt.
Workshops wie der Denkshop von fuxundkauz leisten dazu einen wichtigen Beitrag, weil sie
zeigen, dass Demokratie im Alltag beginnt: im Gespräch, im Zuhören, im gegenseitigen Respekt.
An unserer Schule traf fuxundkauz auf ein Umfeld, das Sensibilität für Demokratie, Sprache und
gegenseitigen Respekt bereits lebt. Deshalb soll die Workshop-Reihe nach Möglichkeit im
kommenden Jahr fortgeführt und um einen zweiten Termin ergänzt werden, um die Themen weiter
zu vertiefen.
Der Denkshop hat eindrucksvoll gezeigt: Demokratie beginnt im Kleinen – im Zuhören, im
gegenseitigen Respekt und in der Bereitschaft, sich auf andere einzulassen. Diese Fähigkeiten
stärken nicht nur das Zusammenleben in der Schule, sondern unsere gesamte Gesellschaft.
.